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knorhan 30.06.2013 12:21

Nicht die Meinung der Gäste ist gefragt!!!
 
Nicht die Meinung der Gäste ist gefragt!!! Nun ist es raus, in Büsum ist nicht die Meinung der Gäste gefragt!

Es war ein schöner Tag, murmelte unser Bürgermeister und zog gedankenverloren an seiner Kalumet. Kein Sonnenstrahl hatte die Allergien seiner Haut geweckt, so dass die fehlenden Gäste wegen des Mangels an Sonne fehlen, nicht wegen Fehlentscheidungen aus dem Rathaus, Blödsinn. Nun überlegen die Köche in Büsum, was möchten die Gäste in der Pfanne haben? Eine köstliche Lasagne wie vor einigen Tagen? Bärentatze oder auch Seehase, man isst nur das Männchen das Weibchen ist nur zum Eierlegen da, ist mal etwas Außergewöhnliches für unsere Gäste und neu für unser Rathaus.
Bei der Bilanz der letzten Woche angelangt, (zu wenige Gäste durch unüberlegtes Handeln unserer Politiker) wurde der Koch unterbrochen. Sein überlegenes Ohr, das ihn befähigt, Gäste kommen zu hören, erkannte den Trap eines treuen Stammgastes, Dame mit Mann. Auch die Küchenhilfe, sein Gefährte, kam aus der Küche. Sein Ohr war fast so gut wie das seines Küchenchefs. „sind sie es?“, fragte er und deutete mit dem Kochlöffel in die Weite des Hafenbeckens zwei.
Der erfahren Küchenchef nickte und klopfte die Pfeife an der Brüstung der Terrasse aus. „ Yes. Unverkennbarer Galopp von Gästen. Der unverkennbare Schuhgeklapper kam näher und nur zwei Minuten später bremsten die Gäste vor der Terrasse. „Howgh“, schnauften sie, das der dampfende Atem die beiden völlig einhüllte.
„Schon gut“, sagte der Küchenchef hustend, „schon gut Gast“, und klopfte den Gästen auf die Schulter. „Ich bin kein Gast“, ich muss hier für ein bis zwei Stunden 5,00 € für den Parkplatz zahlen. Und wenn ich ins Watt am Hauptstrand gehe kann ich mir die Füße nicht waschen weil die Duschen abgebaut sind… Ohne eine Information zuvor. Abgesehen von der Tatsache das ausgerechnet in der Hauptzeit, dieser Teil der Deicherhöhung, den Gästen die Wattwanderung versaut wird. Mensch, „sagt der Gast“ der Deich ist doch lang genug, oder? Und die Gebühren um die Nordsee zu sehen… Bekommt man wo anders für weniger Geld und sogar Al Inklusiv, hier Al Exklusiv, für alles muss man bezahlen.
Der Küchenchef runzelte die Stirn warf der Küchenhilfe einen fragenden Blick zu. Der verschwand blitzschnell in der Küche. „Is` ja gut“, sagte der Gäste-Freund. „Ich habe noch nie einen Gast auf diesen Parkplatz stehen gelassen“.
„Wie zwischen Koch und Gast“, echote die Küchenhilfe aus der Küche und setzte hinzu: „Das Essen ist fertig!“
„Was gibt´s?“
„Na, was wohl-eurer Lieblingsessen: Filet vom Seehasen.“
Und wieder gab es einen Koch, der briet eine Speise, die niemand kannte: Gemüse zwischen zwei Teigplatten als Beilage.
Zur gleichen Stunde saßen fünftausend Kilometer entfernt zwei Stammgäste und rauchte ein Kalumet, Parkplatz umsonst. Das Wasser anschauen ohne Bezahlung und nun kommt der Hammer, sogar Baden ohne gebühr. Ein Bier 0,2 l. für 1,20 € bis 1,50 €. Al Inklusiv mit Flug für 499,00 € und das noch in drei bis vier Sterne Hotel.
„Bravo“, sagte einer der Stammgäste aus Büsum, der den anderen einer Weile wortlos beobachtet hatte, „mit dieser Nummer kann Büsum nicht mithalten, höchstens im Zirkus auftreten.“
„Irgendwas fehlt noch“, murmelte einer der Gäste mehr für sich als für seinen Lebensgefährten. „Nein, nein, da gab es in Büsum am Hafenbecken zwei ein Koch, der briet auf seinen Herd eine Speise, die niemand kannte. Sie stammte aus dem Ausland und enthielt zwischen zwei Teigplatten gelegtes Gemüse. Selbstverständlich 100 Pro vegetarisch. Sie schmeckte köstlich.“
„Nun, wenn´s kein Kamel war“, antwortete der andere und hustete.
Nur wenige Wochen später tauchten in den Regalen der Discounter die ersten tiefgefrorenen Packungen Lasagne auf, in denen Inspektoren von foodwatch Spuren von Kamelfleisch fanden.
Auf Deutschland stolz zu sein, ist nicht nur in Büsum und Hamburg die Pflicht des Patrioten; im Schatten des Public Viewings hat auch unsere Spitzengastronomie sich eine Führungsposition erobert, die man ihr nicht zugetraut hätte. Aus lahmarschigen (langsam, hilfsbedürftig) Provinzlern sind pfiffige Avantgardisten geworden. Das aufregende Rezept von Kalbsbriesröschen im Trüffelstaub, kombiniert mit der metaphysischen Zähmung des Pulsschlags beim Kopfstand, beschert nicht wenige Damen parapsychologische Kicks. Aber brauchen wir das hier, „nee“, aber Bodenständige Gerichte mit vielen Regionalen Produckten sind gefragt, wie auch intensives Gästeverhalten aus unserem Rathaus.
Und ehrliche Küche, wie Rach es uns gerade im Fernsehen zeigte. Vielleicht bietet sich ja eine Chance, die Esser aus Büsum wieder zum Verzehr nach Büsum zu bekommen. Und bevor sich wieder mal einige Büsumer über diesen Bericht aufregen, es ist die Meinung vieler Gäste bei uns, denen ich allerdings Beipflichte. Und leider werden wir viele nicht wiedersehen, aber hier ist ja das Wetter verantwortlich, nicht die Aktivitäten am Strand und die Geldabzocke unserer Gäste.
Ich will damit nur sagen, wie schwer es ist, ein Gastronomiebetrieb in Büsum zu eröffnen, (zu führen) der logistisch auf alles vorbereitet ist, was der Oligarch (Wirtschaftsmagnat oder Tycoon in einer Suite erwartet.
Kulinarischen Gruß
Günther Ahr


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