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Alt 07.03.2012, 22:24   #1
Taillevent
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Daumen hoch Mannheim - Amador

Amador ist von Langen nach Mannheim an die Stätte seines bisherigen Zweitrestaurants Amesa gezogen. Die Anfahrt gestaltete sich schwierig, die Strasse in der Neckarau hat unser Navi noch gefunden, gelandet sind wir im Media-Markt. Die Strasse x-mal rauf und runter, wir sind jedesmal dran vorbeigefahren, erst auf Nachfrage haben wir geschnallt, dass es direkt vis-a-vis der Aldi-Einfahrt zum ***Restaurant geht. Daneben gibt es noch eine Menge Industrie, hier wird verständlich, dass man bei der Lage dringend auf die Sterne als Werbeträger angewiesen ist, freiwillig kommt hier sonst niemand.
Hat man die Einfahrt mit dem dezenten Amador-Schild endlich gefunden, steht man vor einem festlich beleuchteten Industriegebäude, erinnert sehr stark an Noma.
Freundlicher Empfang, man betritt eine durchgestylte Industriehalle, versiegelter Betonboden, rote Teppiche unter den Tischen, als Raumteiler lediglich Lampenobjekte auf Rädern. Gemütlich ist das nicht, außer man liebt es, dass alle Mitgäste die Gespräche mit dem Service verfolgen können.
Wir sind aber wegen des Essens hier, es beginnt mit Tapas & Snacks, der erste war
Flammkuchen /Strammer Max / Handkäs mit Musik
Der Käs kommt aus der Tube und schmeckt nach Schmelzkäse, hier war wohl der optische Gag wichtiger als der Geschmack. Ansonsten ein schöner Anfang, Steigerungen sind noch möglich, und sie kommen auch.
Geeiste Beurre Blanc / Malzbrot / Haselnussmilch / Kaviar
Kalbskopf / Essigzwiebel / Seegurke / Pimenton
Entenleber /Räucheraal / Granny Smith / Holzkohle-Öl
Kabeljaukutteln / Gurke / Pommery-Senf / Austernkraut
Alle Tapas auf fantastischem Niveau, Amador verleugnet seine spanische Herkunft nicht, Kabeljaukutteln in der Qualität habe ich aber in Spaniens ***er nicht bekommen, bei den Tapas bewegt sich Amador und seine Mannschaft klar auf ***-Niveau.

Dann kommt das eigentliche Menu "Momentaufnahme". Es gibt nur ein Menu, lediglich bei der Hauptspeise gibt es eine Wahlmöglichkeit, Rind oder Taube, so muss man auch nicht überlegen, ob man die 230 € ausgeben will, angesichts des Gebotenen ist der Preis aber in Ordnung. Also weiter mit
ROYAL Kaisergranat / Salzmandel / Perigord-Trüffel / Quitte
LAUBFROSCH Jakobsmuscheln / Schweinebauch / Petersilie/ Spinat / Kalbsbries
MAR Y MUNTANA Steinbutt / Champignon de Paris / Reh / Cranberries
Alle Zutaten von perfekter Qualität, aber der Steinbutt wird in einem Fond ertränkt, diese Fisch-Fleisch-Kombination kann nicht gleich überzeugen wie die vorigen Gänge
BIG IN JAPAN Wagyu-Rind "Private Label" / Fermentierter Knoblauch / Algen / Rettich
Eine neueKreation, das Zwischenrippenstück mit der Sauce absolut perfekt, aber ich wurde angewiesen, es gemeinsam mit den anderen Zutaten zu vertilgen. Sicher haben Amador und seine Crew das intensiv durchprobiert, nur ich armer Tor konnte den Mehrwert von Knoblauch, Algen und Rettich nicht erkennen.
Dann noch
BRICK IN THE WALL Gewürzmilch / Salzkaramell / Joghurt / Rote Bete
in zwei Gängen serviert
Zum SchlussAmadors Erinnerungen, nämlich Mozarts Kugel, Bienenstich, Milchreis,Bananensplit, Paradiesapfel und Gin Tonic, köstliche Kleinigkeiten.

Amador serviert eine spanische Molekularküche auf über weite Strecken höchstem Niveau. Dem Küchenstil ist der Überraschungseffekt, von dem El Bulli & Co jahrelang profitiert haben, abhanden gekommen. Man weiß, zumindest ungefähr, wie das funktioniert. Auch wenn das Konzept nicht mehr dem neuesten Trend entspricht, kann das *** wert sein, und ist es, abgesehen von einzelnen Ausnahmen, auch.

Amador bietet nur noch spanische Rotweine und deutsche Weißweine an, dazu ein paar Cava und Champagne. Diese Reduzierung ist für ein ***Restaurant nicht ganz unproblematisch. Man versucht das, rational zu begründen, ich denke, dass das finanzielle Gründe hat. Auf jeden Fall ist es leicht möglich, mit den angebotenen Weinen den einen oder anderen schönen Abend zu gestalten, zumal Spanien ein vielfältiges Weinland ist.

18,5 Punkte und kulinarische Grüße
Taillevent
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