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Alt 05.10.2011, 11:25   #1
Budi
Benutzer
 
Registrierungsdatum: 28.10.2009
Beiträge: 97
Restaurant Adler, Weil am Rhein (Hansjörg Wöhrle)

Auf dem Weg zum Vitra Campus, habe ich ein Urgestein der gehobenen Gastronomie besucht:

http://budisfoodblog.wordpress.com/...ansjorg-wohrle/


Zitat:
In einem 1548 erbauten Haus in der Ortsmitte Altweils, befindet sich ein für die Nähe zum Elsass und der Schweiz, typisches Restaurant der gehobenen Gastronomie.

Hier kocht Hansjörg Wöhrle – und dies bereits seit vielen Jahrzehnten. 1969 verlieh man ihm hier seinen ersten Michelin Stern, den er 35 Jahre lang ununterbrochen hielt.

Bereits beim Betreten, macht ein großer Schaukasten klar, dass man hier genießen soll. Alte leere Flaschen von Chateau d’Yquem oder Montrose aus besten Jahrgängen zieren die Fotocollagen und Zeitungsartikel über Hansjörg Wöhrle. Neben Roberto Blanco, sieht man diesen mit Eckart Witzigmann. Dann befinden sich in der leicht angestaubten Vitrine noch diverse Feinschmeckerguides. Kleine, für den Kenner bekannte Details suggerieren, ähnlich wie es eher aus früheren Zeiten im Rotlichtmilleu üblich war, worauf man sich hier einlässt.



Betritt man dann das Restaurant, welches von außen wie ein einfaches Wirtshaus aussieht, so bekommt man Zugang zu einem anderen Land. Alte feingepolsterte Holzmöbel und vollbeladene Wände mit alten gerahmten Fotos und Skizzen zieren den Raum. Die Tische sind prächtig gedeckt, die silbernen Dekanter stehen nebst Terrinen in Form von stilisierten Gänsen.

All dies Ambiente erinnert an alte Zeiten der Sternegastronomie, als man noch aus Frankreich geschmuggelte Ware dem Gast präsentierte und Sous-Vide-Verfahren und Hummer und Jakobsmuscheln jeden Gast ehrfürchtig beim Lesen der Karte nicken ließen.

Die gerichte präsentieren sich auch heute noch genau so. Man mag es veraltet, überholt und rückwärtsgewandte Kochkunst nennen, doch damit steht H. Wöhrle heute in dieser Form relativ alleine da. Denn kaum findet man ein ähnliches Restaurant, welches derartig konsequent die alte französische Küche serviert.

Mittags bekommt man ein preisgünstiges Lunch-Menü. Man kann hier preisgünstig Essen und mit der grandiosen Weinkarte, welche sämtliche regionalen großen Gewächse beinhaltet, seinen Geldbeutel erleichtern.



Der kleine gemischte Salat überrascht durch seine Einfachheit. Ordentlich abgeschmeckt und mit frischen Produkten serviert, leert sich der Teller schnell. Doch einen solchen Salat erwartet man dann doch eher in der einfachen Wirtsstube.



Im Gegensatz dazu, erweist sich die Markgräfler Gemüsesuppe mit Ravioli als simples, bodenständiges aber in seinen Aromen wunderbar ausbalanciertes und raffiniertes Süppchen. Die Konsistenz des Raviolo überzeugt und macht Lust auf den Hauptgang.



Der Hauptgang stelt damit auch gleich (unschwer) das Highlight dar. Zum Coq au Vin wird ein höchstgradig süchtig machendes Sößchen serviert. Die Komplexität und Intensität begeistert . Zum vollen Geschmack der Soße, schließt sich ein raffiniert abgeschmeckter Zitruston an. Genau so müssen Soßen sein! Das Fleisch des Coq au Vin ist von sehr guter Qualität und hat festes aromatisches Fleisch. Die Nudeln sind ebenfalls von hoher Qualität und erfreuen durch die eigene Herstellung, in ihrer Intensität und perfekten Konsistenz. Das Püree schließt sich an die Qualität an. Doch dem Gemüse fehlt deutlich Salz.



Ähnlich verläuft es beim Schweinelendchen in Pilzrahmsauce: Die Nudeln, sowie die Soße sind beeindruckend, auch die Fleischqualität ist tadellos. Doch auch hier ist das Gemüse wohl kaum abgeschmeckt worden. Auffällig ist das in allen Gängen vorzufindende Gemüse, welches für ein Mittagsmenü zwar nicht im Zentrum der schweren Kritik stehen sollte, jedoch deutlich durch die Monotonie in Richtung Einfallslosigkeit pendelt und auch für ein derartiges Restaurant enttäuscht.

Von der Dessertkarte wurde dann abgesehen. Diese überrascht vorerst in ihrer Einfachheit (Apfeltarte, Crème brulée mit Pistazieneis, Tirmisù auf Marsalaschaum mit Latte-Macchiato-Eis) und schockiert dann ob der gehobenen Preise. Die auf Vorbestellung servierten Crêpes Suzette schlagen mit gigantischen 22€ pro Person auf. Zu diesem Preis bekommt man höchste Patisseriekunst in den höchstdekorierten Sternerestaurants Deutschlands.

Wöhrle selber glänzt durch permanente Präsenz im Gästeraum, wobei man hier ein sehr offenes und herzliches Verhältnis zu seinen Gästen und insbesondere (längjährigen) Stammgästen erkennen kann. Die zeugt von einer großen Gastfreundschaft und der Passion am Kochen und Bewirten. Der Service ist nicht der auf dem Niveau eines Sternelokals, kratzt stellenweise deutlich daran, während er dann teilweise wieder deutlich in Abwesenheit glänzt. Das Restaurant ist ein ständiger Mix aus Charme, Hochküche, Nostalgie und einfacher Wirtsstube. Ein bisschen fühlt man sich hier wie in einem Museum oder vermutlich wie bei Bocuse. Man liebt es einfach immer noch und drückt hier gerne in Nostalgie schwälgend ein Auge zu oder kommt mit dem angestaubten Restaurant nicht klar. Doch insgesamt bleibt ein sehr spezieller und charaktervoller Ort, an den man sich eventuell gerne zurückzieht, wenn man von Überdruss der Hektik der Moderne überfallen worden ist.
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