the drink tank. Mario Scheuermanns persönliches Tagebuch und journalistisches Arbeitsjournal mit Gedanken und Flaniernotizen aus der realen und der virtuellen Welt.
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01.02.2012 - Hawesko überspringt die 400-Mio.-Euro-Marke
In einem nur geringfügig wachsenden Weinmarkt ist es der Weinhandelsgruppe Hawesko erneut gelungen Marktanteile zu gewinnen und beim Umsatz erstmals die Marke von 400 Millionen Euro zu überspringen. Der Vostandsvorsitzende Alexander Margaritoff zeigte sich bei der Vorstellung des vorläufigen Ergebnisse für das abgelaufene Geschäftsjahr 2011 optimistisch bis 2014 beim Umsatz die Marke von einer halben Milliarde Euro zu überschreiten.
Nach dem heute vorgestellten Bericht ist der Konzernumsatz (ohne Steuern) um 8,9 Prozent auf 411,4 Millionen Euro (2010: 377,7 Mio. Euro) gestiegen. Dabei wuchs das Großhandelssegment mit 11,9 Prozent erneut besonders kräftig. Aber auch die anderen Sparten konnten ihr Geschäft ausweiten: der Facheinzelhandel (Jacques' Wein-Depot) um 5,4 Prozent und der Versandhandel (hauptsächlich Hanseatisches Wein- und Sekt-Kontor) um 8,1 Prozent. Der Anteil des in Deutschland erzielten Konzernumsatzes betrug 86 Prozent (Vorjahr: 88 %) des Gesamtumsatzes, dennoch erhöhte er sich absolut um 5,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Weinmarkt in Deutschland insgesamt ist dagegen nach Erhebungen der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im Jahr 2011 wertmäßig nur um 1,9 Prozent.
Gestiegen.
Der Vorstand geht davon aus, dass die Auslieferung des begehrten 2009er Bordeauxjahrgangs sowie die erstmalige Einbeziehung von Wein & Vinos in den Hawesko-Konzern der Geschäftsentwicklung im laufenden Geschäftsjahr 2012 zusätzlichen Schub verleihen. Und obwohl sich der Markt für Bordeauxweine der Jahrgänge vor 2009 beruhigt hat, kann für 2012 mit einer Steigerung im zweistelligen Prozentbereich sowohl beim Umsatz als auch beim operativen Ergebnis (EBIT) gegenüber 2011 gerechnet werden.
Alexander Margaritoff, Vorstandsvorsitzender: "Der Geschäftsverlauf 2011 - vor allem für das erste Halbjahr - hat uns positiv überrascht und unsere ursprünglichen Erwartungen erheblich übertroffen. Im laufenden Geschäftsjahr 2012 wie auch in der Zeit danach werden wir unseren Kurs eines profitablen nachhaltigen Wachstums konsequent weiter fortsetzen. Und für 2014 haben wir uns vorgenommen, beim Umsatz die Marke von einer halben Milliarde Euro zu überschreiten." Mehr hierzu...
28.01.2012 - Österreichs Wein verliert weiter an Boden
Auch der Monat November brachte der österreichischen Weinwirtschaft nicht die prognostizierte Trendwende beim Export nach Deutschland, der nunmehr seit 18 Monaten rückläufig ist. Nach den aktuellen Zahlen des statistischen Bundesamtes (Destatis) in Wiesbaden betrug das Import-Minus im November 2011 rund 44 Prozent in der Menge und 20 Prozent im Wert. Das dürfte in etwa auch dem zu erwartenden Jahresminus entsprechen. Von Januar bis November wurden laut Destatis 21,2 Millionen Liter Wein aus Österreich importiert gegenüber 38 Millionen Liter im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Der Wert ging von 56 Millionen Euro auf 45,2 Millionen Euro zurück.
Aktuelle Storechecks des Weinreporters im Discount und im LEH - also dort wo drei Viertel des deutschen Weinabsatzes stattfindet – zeigten, dass österreichischer Wein mit Ausnahme des Grossproduzenten Lenz-Moser fast völlig aus den Regalen verschwunden ist. Wenn überhaupt, dann findet er im Segment 2,49 bis 4.99 Euro statt. Im angestrebten Premiumbereich zwischen fünf und zehn Euro habe ich nur in einem einzigen Fall (Plaza) einige Flaschen der Prestige-Linie von Lenz- Moser für 8,79 Euro gefunden. Bei der Drogeriekette Rossmann – früher mal ein Powerseller für Grünen Veltliner vor allem aus dem Weinviertel – ist Österreich ganz aus dem Programm verschwunden. Man darf gespannt sein, ob es der österreichischen Weinwirtschaft im laufenden Jahr dank einer grösseren Erntemenge 2011 gelingen wird, das verlorene Terrain wieder zurück zu gewinnen. Gecheckt wurden Im Dezember 2011 und Januar 2012 Filialen von Aldi Nord, Lidl, Penny, real, famila, Netto, Plaza, toom, sky, Norma, Rewe und Edeka in Hamburg, Schleswig Holstein und Mecklenburg-Vorpommern.
26.01.2012 - Die VDP-Klassifikation wird reformiert
Bei der gestrigen ausserordentlichen Mitgliederversammlung der VDP in Neustadt an der Weinstrasse haben die Delegierten der Regionalverbände einstimmig eine Reform der VDP-Klassifikation beschlossen. Im Vorfeld war es durch eine publizistische Indiskretion zu erheblichen Irritationen gekommen, die das seit Monaten intern diskutierte Projekt in letzter Minute gefährdeten. So lehnte der VDP Rheingau die erste Vorlage des Präsidiums ab. Die überarbeitete neue Version, die diverse Ausnahmereglungen enthält, wurden dann aber zugestimmt.
Die Reform sieht nunmehr ein vierstufiges System von Herkunftsbezeichnungen vor, die sich rein äusserlich an das traditionelle burgundische Modell anlehnt. An der Basis wird es dann Gutsweine (= generique ) und Ortsweine (= Village) geben und an der Spitze werden die grossen Gewäche aufgesplittet in Grosse Lage (= Grand Cru) und Erste Lage (Premier Cru). Damit schwenkt der VDP zehn Jahre nach der Einführung seiner Klassifikation im Jahr 2002 auf das ursprüngliche Konzept des Comités Erstes Gewächs aus den 1990er Jahren ein, das bereits damals eine solche Aufteilung nach einer mehrjährigen Überprüfung vorsah. Wenn man dieses Konzept mit entsprechenden Übergangsfristen konsequent durchziehen würde, könnte es meiner Meinung nach durchaus Erfolg haben. Allerdings zeichnet sich jetzt bereits ab, dass über die regionalen Ausnahmeklauseln das Konzept bereits im nächsten Schritt wieder verwässert werden könnte.
So will angeblich die Nahe nur drei der vier Stufen realisieren. Der Rheingau wird bei seinem Kabinett trocken bleiben. Die Stufe der Ortsweine lässt den einzelnen Gütern doch einiges an Spielraum. Vor allem im Bereich Ortswein zeichnet sich jetzt schon wieder eine verwirrende Vielfalt.
Der Bundesvorstand wurde von den Delegierten ausserdem beauftragt, bis zur Sommer-Mitgliederversammlung 2012 ein klar strukturiertes, einheitliches und kundenorientiertes Kommunikationskonzept zur Darstellung der Beschlussfassung auszuarbeiten und vorzulegen. Da darf man gespannt sein wie das aussieht. Ob man sich beispielsweise darauf beschränkt nur die Weine zu kommunizieren, die streng dem Reglement folgen.
Hier die wichtigsten Beschlüsse im Einzelnen:
Umbenennung der bisherigen VDP Ersten Lagen in VDP Grosse Lagen
Durch die Umbenennung der bisherigen VDP Ersten Lagen in VDP Grosse Lagen wird der Widerspruch von Ersten Lagen und Grossen Gewächsen aufgehoben und auch die Gleichrangigkeit der fruchtsüssen Weine aus den Spitzenlagen unterstrichen. Mit der Umbenennung der Kategorie soll ausdrücklich nur der Widerspruch in der Nomenklatur gelöst und nicht eine neue höherwertige Kategorie geschaffen werden. Überprüfung der bisherigen Stufe der Klassifizierten Lage
Alle VDP-Regionen und Güter erhalten den Arbeitsauftrag, ihre Stufe der Klassifizierten Lagen kritisch zu überprüfen. Ziel ist es, nur sehr gute Lagen weiterhin auf dem Etikett auszuloben. Damit wird künftig eine Lage auf dem Etikett zum eindeutigen Qualitätsmerkmal und alle im Hinblick auf „Terroir“ nicht aussagekräftigen Lagen fallen weg. Dadurch wird die Lagenverwendung im VDP insgesamt stark reduziert und bleibt Weinen mit Lagencharakter vorbehalten. Einführung einer zweiten Lagenstufe „VDP Erste Lage“
Die Regionen erhalten die Option, eine Hierarchie in ihrer Lagenverwendung einzuführen. Betriebsübergreifend werden die besten der besten Lagen einer Region in die Kategorie VDP Grosse Lage und die sehr guten Lagen in die Stufe VDP Erste Lage eingefügt. Die Option kann von den Regionen zu einem selbst gewählten Zeitpunkt realisiert werden. Die Regionen erhalten Ausgestaltungsspielräume
Die Regionen erhalten eine weitreichende Ausgestaltungsmöglichkeit, um den jeweiligen regionalen Besonderheiten Rechnung zu tragen, unter Einhaltung des bundeseinheitlichen Rahmens. Klares Votum für „Grosses Gewächs“
Neben der Klarheit in der Kommunikation, dass zukünftig Grosse Gewächse aus Grossen Lagen entstammen, wurde auch einstimmig für die Beibehaltung dieses Begriffes, der mittlerweile international für die besten trockenen Weine aus den besten Lagen Deutschlands steht, votiert. Festlegung der Prädikate auf fruchtsüsse Weine
In allen Stufen mit Ausnahme der Kategorie VDP Gutswein ist die Verwendung von Prädikaten nach Festlegung regional fixierter Geschmackskorridore grundsätzlich den restsüssen Weinen vorbehalten. Mit diesem weitgehenden Verzicht auf trockene und halbtrockene Prädikate im Spitzenweinbereich wird den Prädikaten ihre klassische Bedeutung zurückgegeben. Hier finden Sie mehr...
25.01.2012 - Wann wacht der deutsche Weinhandel endlich auf?
In der vergangenen Woche hat mit der Firma Weinvision in Kassel ein weiterer namhafter Weinfachhändler aufgegeben und Insolvenzantrag gestellt. Das 1998 gegründete Unternehmen war Mitglied der angesehenen Fachhandels-Vereinigung Vinum Bonum. Geschäftsführer Reinhard Riediger nannte gegenüber der Fachzeitschrift WEIN+MARKT u.a. den Wegfall eines Großkunden und eine falsche Strategie als Gründe. Mit dem Aufbau von gleich zwei neuen Einzelhandelsgeschäften in Gießen und Fulda habe man sich übernommen. Klingt zunächst plausibel. Dann habe ich mir mal angesehen, wie die 14 Vinum Bonum Mitglieder im Bereich social media aufgestellt sind und festgestellt: weitgehend Fehlanzeige. Fünf von ihnen haben kein Facebook-Page, acht haben zwar Facebook-Pages, aber darauf weniger als 100 Fans. Nur Harald F. Brehmer (109) und vor allem Rindchen´s Weinkontor (1.566) liegen darüber. Es hat sich also so gut wie nichts geändert an meiner Feststellung vom Februar 2011: Der Handel verschläft Wein im Web2.0. Oder vielleicht doch nicht?
So hat Weinwelt, die Tochterfirma fürs Endverbrauchergeschäft von Mack & Schühle, zusammen mit Dirk Würtz eine “International Web Wine Tasting Tour” (#iwwt) als virale Marketingaktion gestartet. Gut 2000 bis 3000 AktionsPakete wurden nach Angaben eines Firmensprechers über diese Aktion verkauft und man könne sich eine Wiederholung durchaus vorstellen. Kurz vor Weihnachten hat sich Branchenprimus Hawesko endlich dazu durchgerungen neben seiner Tochter tvino mit einer eigenen FacebookSeite Flagge zu zeigen. Dafür wurde mit Dimitri Taits eigens ein social-media-Experte engagiert und eine eigene Abteilung gegründet.Eine Facebook-Suche des Drink Tank ergab, dass es inzwischen allein in diesem Netzwerk acht Seiten mit mehr als 1.000 Fans gibt. Die derzeit erfolgreichste Seite ist Belvini.de mit 5.625 Fans. Die Liste der erfolgreichsten Seiten macht aber auch klar: hier etabliert sich eine neue Generation und ein neuer Typus von Weinhändler. Der traditionelle Fachhandel tut sich da schwer und droht vollends den Anschluss zu verpassen, da er sich entweder diesem neuen Medium verweigert oder mit ihm nicht umzugehen versteht. Denn auch dies ergab die Recherche es gibt Dutzende von Seiten seriöser und (noch) erfolgreicher Fachhändler, die weniger als 30 Fans haben. Sie können offensichtlich ihr eigenes überaltete und wenig internetaffine Klientel dort nicht finden und mit der Generation-Facebook der Weinfreunde, ihrer Sprache und ihren Weinvorlieben kommen sie nicht klar. Sie sind aber meist auch nicht bereit Geld und Zeit für eine entsprechende Beratung und Professionalisierung zu investieren Das könnte sich in den kommenden Jahren bitter rächen. Denn eins ist klar: die Zeit der Weinhöker ist vorbei.
Facebook Weinhandels-Seiten mit mehr als 500 Fans
Belvini.de: 5.265 Fans
tvino: 4.811 Fans
superiore.de: 2.277 Fams
Vinexus: 2.051
Genuss7.de: 1.942
Vom fass 1.907
WEIN WENN DU KANNST: 1.843
Rindchen ´s Weinkontor: 1.565
Das italienische Weindepot: 1.433
Hawesko: 923
Lunas Delikatessen: 881
Frankfurt/Wein: 821
Meevio: 608
Weinversand Wein-Depot: 578
K & U Die Weinhalle: 535 Weiter...
19.01.2012 - Kommunikations-GAU beim VDP
Der Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) erlebte diese Woche einen krachenden Kommunikations-GAU. Nach einem informativen Hintergrundgespräch, das der VDP-Präsident Steffen Christmann am Kamin mit einigen geladenen Journalisten führte, beging einer der exklusiv Vorabinformierten eine fatale Indiskretion. Sascha Speicher veröffentlichte in der Fachzeitschrift Weinwirtschaft einen Artikel, in dem eine Beschlussvorlage des Vorstands zur Neuordnung der Grossen Gewächse, die zur Zeit von regionalen Konferenzen diskutiert wird, als quasi vollendete Tatsache hingestellt wurde. Das Berliner Genussportal von Niko Rechenberg übernahm die Story ungeprüft als Gastbeitrag und verbreitete sie per Email bundesweit als Eilmeldung.
Die wichtigsten beiden Knackpunkte: Die VDP-Weingüter im Rheingau sollen ihre Ersten Gewächse in Grosse Gewächse umbenennen und sich bei der Produktion an die gesetzlichen Trocken-Grenzen halten. Bisher können Erste Gewächse aus dem Rheingau bis zu 13 g Zucker/Liter enthalten. Ausserdem sollen künftig grundsätzlich keine trockenen Prädikatsweine mehr produziert werden. Die Begriffe Kabinett, Spätlese und Auslese soll dann bei VDP-Betrieben ausschliesslich restsüssen Weinen vorbehalten bleiben.
Soweit so gut. Nur stimmte eben nicht, was Weinwirtschaft und Gourmetwelten behaupteten, nämlich, dass man sich darüber „endgültig geeinigt“ habe. Dies am Vorabend der Mitgliederversammlung des VDP Rheingau zu lancieren wirkte auf die Gegner dieser Neuregelung wie eine bewusste Provokation. Und es fällt schwer, dahinter keine Absicht zu vermuten. Ergebnis waren noch hitzigere Diskussionen vor und hinter den Kulissen und gestern Abend eine fast 100%ige Ablehnung des Vorschlags durch den Rheingau. Auch aus anderen Regionalverbänden regt sich inzwischen kräftiger Widerstand dagegen. Die heute veröffentlichte Richtigstellung des VDP kam so gesehen zu spät. Der Verband steht jetzt vor einem Scherbenhaufen. Wie auch immer nach der am 25. Januar 2012 stattfindenden ausserordentlichen Bundesmitgliederversammlung des VDP, in der der Rheingau allerdings nur über zehn Delegiertenstimmen verfügt , werden wir mehr wissen. Lesen Sie weiter...
19.01.2012 - Deutschland wird 2012 zum wichtigsten Exportmarkt für Südafrikas Weinwirtschaft
Das Jahr 2012 könnte eine historische Wende für die südafrikanische Weinwirtschaft bringen. Erstmals wird voraussichtlich in diesem Jahr Deutschland Grossbritannien, den traditionell wichtigsten Absatzmarkt für Kapweine, überholen und zum grössten Exportmarkt der südafrikanischen Weinerzeuger werden. Im zurückliegenden Jahr wurde dieses Ergebnis nur knapp verfehlt. Deutschland importierte zwar erstmals mehr als 80 Millionen Liter Wein aus Südafrika, blieb damit aber Zweiter hinter den Briten, die 81 Millionen Liter importierten. Dies geht aus den soeben veröffentlichten Zahlen der südafrikanischen Weinstatistik SAWIS hervor.
Die Tendenz ist eindeutig. Während diese Menge für Deutschland ein Plus von elf Prozent bedeutet, ging der Export nach Grossbritannien um 22 Prozent zurück. Dieses dicke Minus ist letztendlich auch die Ursache dafür, dass der weltweite Gesamtexport Südafrikas 2011 um fünf Prozent zurückging. Dies ist vor allem dem schwächelnden Export von Flaschenweinen (- 20 %) geschuldet der durch die Zunahme des Exports von Tankware (+ 16 %) nicht aufgefangen werden konnte.
Die stärksten Zuwachsraten beim Weinexport verzeichnete Südafrika 2011 in China (+ 22 %), Frankreich (+ 20 %), Kenia (+ 17 %), Nigeria (+ 15 %), Tansania (+ 13 %), Thailand (+ 11 %) und Russland (6 %). Bemerkenswert ist dabei vor allem die Zunahme der Flaschenweinexporte nach China (+75 % ). Dieser boomende Markt steht in diesem Segment jetzt bereits auf Platz zehn der südafrikanischen Exportstatistik. Bei anhaltendem Wachstums wird China in den kommenden beiden Jahren Kanada und den USA die Plätze sechs und fünf streitig machen. Auch beim Flaschenweinexport in die schwarzafrikanischen Schwellenländer verzeichnet Südafrika durchweg zweistellige Wachstumsraten. Hier entwickelt sich offensichtlich sozusagen vor der Haustür ein neuer interessanter Markt mit grossem Entwicklungspotential. Lesen Sie weiter...
18.01.2012 - Die FAZ und die Michelin-Ente
Unter dem Schlagwort „Abgewertet“ vermeldete die FAZ, der Guide Michelin plane seine Printauflage einzustellen und diese durch eine Online-Ausgabe zu ersetzen, bei der Internetnutzer mitbewerten können. Die elitär besorgte Frage des Autors: Vergeben bald ketchupliebende Flegel die begehrten Sterne? Das klang in vielen Ohren nach Sensation und Kulturschock. Die Wellen schlugen deshalb heute hoch. Schnell machte das Thema die Runde: Bernd Matthies vom Berliner Tagespiegel verbreitete die News via Facebook und Michael Pleitgen berichtete in seinem Blog darüber. Es gab Kommentare von Gastronomen und Kollegen. Am Ende des Tages und einige Recherchen weiter bleibt festzustellen: viel Lärm um Nichts. Es handelt sich um eine Ente. Die Michelin-Pressestelle hat diese Darstellung inzwischen klar dementiert: Es gibt keine Überlegungen die Printausgabe einzustellen oder gar Inspektoren durch Leserkommentare zu ersetzen.
Der FAZ-Schreiber bezog sich auf einen Artikel in dem französischen Blatt Le Monde. Dort steht aber nichts von einer beschlossenen Einstellung der Printausgabe. Offensichtlich wurde der Text entweder ungenügend übersetzt oder einfach etwas angespitzt. So oder so peinlich für eine Qualitätszeitung, die sich als Intelligenzblatt („Dahinter steckt immer ein kluger Kopf“) vermarktet. Le Monde seinerseits bezieht sich auf einen Artikel des Fachblattes L'Hôtellerie-Restauration, das über ein Treffen berichtete, bei dem Jean-Dominique Senard, geschäftsführender Gesellschafter der Groupe Michelin, und Alain Cuq, Generaldirektor von Michelin Travel Partner, einigen hochrangigen Vertretern der Gastro-Branche darunter Alain Ducasse, Dominique Loiseau, , Anne-Sophie Pic, Joël Robuchon und Marc Haeberlin das Konzept eines geplanten neuen Interauftritts vorstellten. Auch das ist nicht wirklich neu. Bereits im September war davon hier die Rede.
Der Michelin arbeitet seit geraumer Zeit an einem eigenständigen neuen Internetauftritt für seinen französischen Guide. Bisher ist der Online-Auftritt Teil des Reiseportals via Michelin. Dort will man weg nicht nur wegen der falschen, nämlichen blauen statt roten Hausfarbe sondern auch wegen des Problems der Leserkommentare. Wann dieses neue Michelin-Portal kommen wird und wie es letztlich aussehen und welche interaktiven oder werblichen Funktionen es enthalten wird, weiss man im Augenblick selbst noch nicht so genau. Nächsten Monat vielleicht, vielleicht auch erst in einem halben Jahr. Das alles hätte die FAZ auch herausfinden können, wenn sie gründlich recherchiert hätte statt auf einem boulevardhaften Schnellschuss zu setzen. Mehr...
10.01.2012 - Österreichs Winzer sind auf Facebook führend
Gestern hat beim Online-Award, den das Berliner Genussportal für die “Beste Weingut Facebook-Seite 2012″ ausgeschrieben hat, die Abstimmungsphase begonnen. Die Jury hat aus den vorgeschlagenen rund 100 deutschsprachigen Seiten 50 nominiert. Über die kann das Publikum nun öffentlich via Facebook abstimmen. Die überwiegende Mehrzahl der Nominierten kommt aus Deutschland (35). Aber es sind auch 13 österreichische Seiten dabei und je eine aus Frankreich und Südtirol.
Ich habe dies zum Anlass genommen und recherchiert wie viele Facebook-Seiten von Weingütern und Winzergenossenschaften es aus dem deutschsprachigen Raum gibt. Verlässliche Zahlen dafür gab es bis jetzt nicht, nur Schätzungen. Meist ging man von einer Zahl zwischen 150 und 200 aus. Das war mir denn doch zu ungenau. Die Mühe hat sich gelohnt. Bis jetzt konnte ich 575 Seiten ermitteln. Ich schätze, dass die tatsächliche Zahl auf über 600.
Die durchschnittliche Fanszahl der deutschsprachigen Weinguts-Seiten liegt derzeit bei 158. Auf 500 oder mehr Fans bringen es nur 44 Seiten und auf 1.000 und mehr nur sechs. Erstaunlicherweise kommen die alle aus Österreich. Immerhin nehmen drei davon auch am Wettbewerb teil.
Nun müssen die erfolgreichsten Seiten nicht zwangsläufig auch die besten sein, aber es ist schon auffallend, dass bei den erfolgreichsten Seiten die Österreicher mit 24 Seiten mehr als die Hälfte stellen – aus Deutschland kommen „nur“ 18 und aus Südtirol 2 und Frankreich 1 - im Finale des Wettbewerbs ist Österreich aber nur mit einem Viertel beteiligt. Auch sind von den erfolgreichsten 43 insgesamt nur 16 unter den 50 Finalisten. Möglicherweise hatten viele Betriebe nichts von dem Wettbewerb mitbekommen oder ihm nicht die nötige Bedeutung zugemessen. Andererseits ist es ein offenkundiges Anliegen der Juroren auch weniger bekannten Seiten eine Chance zu geben, wenn sie gut gemacht sind. Man darf nun gespannt sein welche Auswirkungen dieser Wettbewerb auf die Performance der teilnehmenden Seiten haben wird.
Facebook Weingutsseiten mit mehr als 500 Fans
(fettgedruckt: nimmt am Wettbewerb teil)
06.01.2012 - ÖWM-Jubiläum mit Schönheitsfehler
Eigentlich hätte das Jahr 2011 das strahlende Jubeljahr für die Österreichische Weinmarketing (ÖWM) werden sollen. Galt es doch das 25jährige Bestehen dieser Organisation zu feiern, die 1986 gegründet wurde, ein Jahr nachdem der grosse Weinskandal die Exporte der österreichischen Winzer auf quasi Null einbrechen liess. Seither hat dieses Team beachtliches geleistet und entsprechend vollmundig fielen denn auch die Lobeshymnen in den Medien aus. Österreichs Weine geniessen heute weltweit einen Ruf und Stellenwert wie es noch niemals zuvor in der Weinbaugeschichte des Landes der Fall war. Österreichs Weinwirtschaft besitzt – so die Selbsteinschätzung - „eine der schlagkräftigsten Weinmarketing-Institutionen weltweit“.
Als aussagekräftigster Beweis des Weinwunders Österreich wurden zum Jahreswechsel die Exportzahlen der letzten 25 Jahre und deren Entwicklung hin zum Exportrekord im Jahr 2010 mit 123 Millionen Euro und 62 Millionen Liter genannt. Der soll nun im abgelaufenen Jahr sogar noch übertroffen worden sein. Zwar liegen bisher nur die konkreten Zahlen für die ersten neun Monate von Statistik Austria vor, aber die ÖWM hat hochgerechnet und präsentierte zum Jahreswechsel neue Zahlen. Die erwarteten Gesamtexporte werden demnach zwar eine geringere Menge von 46,5 Mio. Liter ausweisen, was einem minus von 25 Prozent entspräche. Der Wert werde jedoch auf voraussichtlich 126 Mio. Euro (+ 2,6 %) steigen. „Noch nie hat die österreichische Weinwirtschaft eine höhere Wertschöpfung erzielt “, freut sich ÖWM-Chef Willi Klinger
Beim Ranking der wichtigsten Exportländer steht Deutschland weiterhin an erster Stelle. Auch wenn die exportierte Gesamtmenge hier um 23 Prozent auf 34,5 Mio. Liter gesunken sei, habe man den Exportumsatz mit 69,5 Millionen Euro annähernd halten können (- 3,5 %). Dank deutlicher Zuwächse in den USA (+9 Prozent), Finnland (+48 Prozent), Schweden (+27 Prozent), Niederlanden (+14 Prozent) sowie Großbritannien (+11 Prozent) habe man die Verluste in Deutschland mehr als kompensieren können.
Aktuell betrachtet ist dies aber aus deutscher Sicht nur die halbe Wahrheit; denn ausgerechnet im Jubiläumsjahr musste die ÖWM einen dramatischen Absatzeinbruch in ihrem wichtigsten Absatzmarkt hinnehmen. Im Gegensatz zur österreichischen Statistik liegen vom Statistischen Bundesamt in Wiesbaden bereits die Oktober-Zahlen vor und die besagen, dass nunmehr seit 16 Monaten in Folge die Exporte ins Nachbarland kontinuierlich sinken. Nachdem es im September kurzfristig nach einer kleinen Erholung aussah, brach der Export im Oktober verglichen mit dem Oktober 2010 um 62 Prozent ein. Auf die ersten zehn Monate des Jahres gerechnet ist das ein Minus von 44 Prozent in der Menge. Da vor allem der Fassweinhandel und der Import von Sektgrundweinen ist fast völlig zum Erliegen gekommen ist, sieht es beim Wert etwas günstiger aus. Allerdings summieren die Zahlen sich auch da zu einem zweistelligen Minus, also deutlich negativer als die ÖWM Prognose. Laut Destatis wurden im Zeitraum Januar bis Oktober 2011 rund 20 Millionen Liter importiert im Vergleich zu 35,8 Millionen Liter im Vergleichszeitraum des Vorjahres (- 44 %). Der Wert lag bei 42,1 Millionen Euro im Vergleich zu 52,3 Millionen Euro in den ersten zehn Monaten 2010 (- 19,6 %). Lesen Sie weiter...
05.01.2012 - Die erfolgreichsten Weinmarken auf Facebook 2012
In einem Artikel für den Blog der Weinakademie Berlin stellt Michael Pleitgen heute die Frage: Finden Social Media und die Weinbranche 2012 zueinander? Darin erwähnt er auch als positives Beispiel für erfolgreiches Communitybuilding die Seite des amerikanischen Weinerzeugers Wente Brothers, die im Laufe der vergangenen eineinhalb Jahren über 9.000 Fans geniert hat. Das ist beachtlich, aber es gibt Betriebe, die es da auf ganz andere Zahlen bringen. Seit meiner letzten Veröffentlichung im Februar vergangenen Jahres sind die Zahlen förmlich explodiert.
Das hat mich zum einem Update meiner Liste der bei facebook erfolgreichsten Weingüter veranlasst. Dabei habe ich die Sekt- und Champagnermarken ausser Acht gelassen und dafür die Liste der Weinmarken und Weingüter zusammengeführt, da die meisten der besonders erfolgreichen Weingüter wie Marken funktionieren. Nach meinen Recherchen u.a. über die Datenbanken von socialbakers.com gibt es derzeit 27 Marken/Güter mit mehr als 10.000 Facebook-Fans. Angeführt wird die Liste von der australischen Marke [yellow tail] mit 294.616 Fans und Gallo mit 160.231 Fans. Auf Platz müsste mit 149.156 Fans eigentlich Jacob´s Creek liegen, wenn man die insgesamt fünf verschiedenen nationalen Auftritte dieser Marke zusammenzählt. In der Liste tauchen aber nur die drei erfolgreichsten Einzelseiten auf den Plätzen 7, 8 und 9 auf.
Was ist der wesentliche Unterschied zwischen der internationalen, vor allem der amerikanischen Szene und der deutschsprachigen? Warum gelingt es in Deutschland keinem Weingut wenigstens auf 1.000 Fans zu kommen? Immerhin zeigen einige österreichische Betriebe wie Bründlmayer, Esterhazy oder Klosterneuburg, dass dies geht. Und die Weinmarke Blanchet kann sich mit ihren mittlerweile über 6.000 Fans auch international sehen lassen zumal diese in einer kurzen Zeit von nur wenigen Monaten generiert wurden. Hier bleibt als erster Fehler festzuhalten: deutschen Weingütern fehlen social media taugliche Marketingkonzepte sowie vor allem Verständnis und Mut zum Branding.
Analysiert man die Postings und Kommentare fällt eines auf: zum einen haben die weltweit erfolgreichsten Seiten auf Grund der hohen Fanszahlen auch sehr viel mehr Kommentare und (was wichtiger ist) die kommentierenden user sind unterschiedlich. Das heisst, wenn bei La Crema 61 Leute kommentieren, bei Kim Crawford 38 und bei Gallo 75 sind das jedes Mal andere Personen. Überschneidungen gibt es so gut wie nicht. Analysiert man die Postings der deutschen Weingüter, dann stellt man schnell fest, dass es immer wieder derselbe Personenkreis ist der kommentiert. Ich habe mir die Mühe gemacht auf einigen Dutzend Seiten die längeren Kommentarstreams mit Strichlisten zu analysieren und dabei festgestellt, dass es extrem viele Überschneidungen gibt. Es sind immer wieder dieselben 100 bis 150 Personen, die aktiv kommentieren und diskutieren. Fazit: in der internationalen Szene hat jede Seite ihre eigene Fans-Commuinty in Deutschland n gibt es nur eine Community für alle und die ist leider immer noch sehr klein.
Weinmarken mit mehr als 10.000 Facebook-Fans
01 [yellow tail] (AU): 294.616
02 Gallo Family Vineyards (USA): 160.231:
03 Sutter Home Wines (USA):121.986
04 La Crema Winery (USA): 92.253
05 Blossom Hill (USA/GB): 72.493
06 Kim Crawford Wines (NZ): 69.764
07 Jacob´s Creek U/K (GB): 55.131
08 Jacob´s Creek Polska (PL): 50.132
09 Jacob´s Creek (AU): 39.943
10 Cambria Winery (USA): 26.071
11 Duplin Winery (USA): 22.931
12 Robert Mondavi Winery (USA): 19.146
13 Beringer Vineyards (USA): 17.300
14 Arrington Vineyards (USA): 16.727
15 Robertson Winery (SA): 15.066
16 Oliver Winery (USA): 14.950
17 Concannon Vineyard (USA):14.900
18 Francis Ford Coppola Winery (USA): 13.606
19 Iron Horse Vineyards (USA): 13.407
20 V. Sattui Winery (USA): 13.306